Prüfungen Bürgerinnen und Bürgern näherbringen: Prüfberichte ansprechender und relevanter gestalten
von Shay Sapir, stellvertretender Sprecher, ORKB Israel und EUROSAI-Vorsitz
Einleitung
Rechnungskontrollbehörden fungieren in verschiedensten Gesellschaften auf der ganzen Welt als Hüterinnen von Transparenz und Rechenschaftspflicht. Doch viel zu lange waren ihre Tätigkeiten in schwer verständlicher Sprache, rechtlichen Verweisen und Fachjargon verpackt, wodurch sie für die breite Öffentlichkeit großteils unzugänglich wurden. Obwohl Prüfberichte Erkenntnisse enthalten, die jede Bürgerin bzw. jeden Bürger betreffen können – von Verspätungen im öffentlichen Verkehr bis hin zu Mängeln im Gesundheitswesen –, lesen die meisten Menschen sie nie. In einer Zeit, in der Informationen sofort verfügbar, visuell aufbereitet und emotional ansprechend sein sollen, müssen Rechnungskontrollbehörden weltweit überdenken, wie sie ihre Arbeit präsentieren.
Die Oberste Rechnungskontrollbehörde Israel (ORKB Israel), die derzeit den Vorsitz der EUROSAI innehat, hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Durch den Einsatz innovativer Kommunikationsmethoden wie Video-Infografiken, sozialen Medien und sogar KI-Tools steht die ORKB Israel stellvertretend für eine wachsende globale Bewegung in der Prüfgemeinschaft: Prüfberichte sollen nicht nur zugänglich, sondern auch ansprechend, menschenzentriert und wirkungsvoll sein.
Warum Zugänglichkeit wichtig ist
Prüfungen im öffentlichen Sektor sind nicht nur interne Rechenschaftspflichtmechanismen. Sie sind die Stimme der Öffentlichkeit und bewerten, ob staatliche Stellen Leistungen fair, effizient und rechtskonform erbracht haben. Dennoch können wir uns nicht darauf verlassen, dass die Durchschnittsbürgerinnen und -bürger den gesamten Bericht lesen. Und tatsächlich sollten sie das auch nicht müssen.
Die Zugänglichkeit von Prüfberichten ist kein Kompromiss, sondern eine Verpflichtung. Wenn Prüfungserkenntnisse Reformen anstoßen, Bürgerinnen und Bürger mobilisieren sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger beeinflussen sollen, müssen sie verständlich sein. Noch wichtiger ist: Sie müssen einen Bezug zu gelebten Erfahrungen herstellen. Dabei geht Zugänglichkeit über Übersetzung oder Formatierung hinaus. Es geht um Relevanz, Verbindung und Inklusion.

Die Neugestaltung der Prüfungszusammenfassung: vom Text zur Erzählung
Einer der transformativsten Schritte der ORKB Israel war die Neugestaltung ihrer Zusammenfassungen. Die traditionell langatmigen Zusammenfassungen wurden in prägnantere Formate umgewandelt, die Folgendes umfassen:
- einen kurzen Hintergrund zum Prüfungsthema
- Kennzahlen, die oft schon auf einen Blick Aufschluss geben
- eine Zusammenfassung der Prüfungshandlungen
- klare, nach Priorität geordnete Erkenntnisse
- prägnante Empfehlungen
- unterstützende visuelle Elemente wie Grafiken oder Fotos
Betrachten wir die Prüfung zur Besteuerung digitaler Währungen, die der EUROSAI-Vorsitzende und Leiter der ORKB Israel, Herr Matanyahu Englman, im November 2024 veröffentlichte. Anstatt sich mit rechtlichen Feinheiten zu befassen, hob die Zusammenfassung des Berichts zwei Zahlen hervor: Schätzungen zufolge besitzen 200.000 Personen in Israel Kryptowährungen und nur 500 davon meldeten dies der Steuerbehörde.
Allein diese Zahlen zeigten eine gravierende Lücke bei der Einhaltung der Vorschriften auf und machten das Thema sofort verständlich sowie aufmerksamkeitswirksam – selbst für Laiinnen und Laien.

Die Macht des Videos: jenseits der geschriebenen Seite
Texte haben ihre Grenzen. Hier kommen Videos ins Spiel. In den letzten Jahren erwies sich das Video als wirkungsvolles Instrument, um fachliche Prüfberichte in emotional fesselnde Erzählungen zu übersetzen.
Ziehen wir zum Beispiel die erweiterte Follow-up-Überprüfung zur nationalen Klimaschutzpolitik der israelischen Regierung heran. Sie wurde im März 2024 veröffentlicht und kam zu dem Schluss, dass der nationale Klimaschutz Israels stagnierte. Anstelle eines langen Dokuments, das in bürokratischen Archiven verloren geht, wurden die Prüfungserkenntnisse in einer kurzen Video-Infografik präsentiert. Die visuell dargestellte Dringlichkeit in Verbindung mit einer klaren Botschaft führte zu weitreichender Medienberichterstattung und sogar zu politischem Engagement.

In ähnlicher Weise führte ein Video, das zusammen mit der Prüfung zur Bereitschaft für künstliche Intelligenz veröffentlicht wurde, zu einer Notfallsitzung im Büro des Premierministers und im Parlament. Diese Debatte führte zur Einrichtung eines neuen Regierungsausschusses zur KI-Strategie. In beiden Fällen erhöhte sich die Reichweite der Prüfungen dramatisch – weil sie gesehen, verstanden und weiterverbreitet wurden.
Prüfberichte menschlich gestalten: Stimmen hinter den Erkenntnissen
Ein Kernprinzip der Kommunikationsstrategie der ORKB Israel ist die Idee, dass „hinter jedem Prüfbericht Menschen stehen“. Dieser menschenzentrierte Ansatz bringt den Betrachterinnen und Betrachtern die Prüfungen im öffentlichen Sektor emotional näher.
Prominente Fälle veranschaulichen diesen Effekt. Shira Isakov, eine Betroffene von häuslicher Gewalt, stellte den Prüfbericht zu Gewalt gegen Frauen vor. Ariel, ein Schüler, der von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern ausgeschlossen wurde, schilderte die Erkenntnisse eines Berichts zum Schutz von Kindern im Internet.

Dorit, eine Überlebende des Terroranschlags auf das Nova-Musikfestival vom 7. Oktober 2023, stellte einen Bericht zu psychologischen Betreuungsangeboten nach Traumata vor.
Diese Erfahrungsberichte verwandeln Prüfungen in Erzählungen. Sie leihen Menschen, die keine Stimme haben, ein Sprachrohr und lassen abstrakte Daten real sowie dringlich erscheinen. Damit bekräftigen sie auch die Relevanz der Rechnungskontrollbehörde selbst.
Mehr Kanäle: soziale Medien und Podcasts
Bei der Zugänglichkeit von Berichten geht es nicht nur um das Format, sondern auch darum, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Das bedeutet, Inhalte auf verschiedenen Plattformen zu verbreiten.
Die ORKB Israel ist auf Facebook, Instagram, X (vormals Twitter), Telegram, YouTube, LinkedIn, TikTok und Threads aktiv. Jedes Netzwerk erfordert maßgeschneiderte Botschaften: Instagram für schnelle visuelle Botschaften, YouTube für längere Erklärvideos, TikTok für prägnante Einblicke und LinkedIn für politischen sowie fachlichen Austausch.
Andere ORKB in der EUROSAI haben ähnliche Schritte unternommen. Die ORKB des Vereinigten Königreichs bewirbt Berichte über LinkedIn und Twitter. Die ORKB Österreich produziert Podcasts mit Prüferinnen und Prüfern. Die ORKB Estland betreibt einen Blog. Zugängliche Informationen werden mittlerweile auf dem gesamten Kontinent erwartet.

Neues Territorium: KI, Mobilversionen und mehrsprachiger Zugang
Innovation macht nicht bei Videos und sozialen Medien Halt. Die ORKB Israel testet derzeit Tools zur weiteren Verbesserung der Zugänglichkeit:
- Mobile-First-Berichte: Berichte, die für das Lesen auf Mobilgeräten strukturiert sind, da viele Bürgerinnen und Bürger zunehmend darauf verzichten, ganze Desktop-Websites aufzurufen.
- KI-gestützter Chatbot: Das Projekt, das derzeit noch entwickelt wird, soll es Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen, Fragen zu Prüfungen zu stellen und sich mithilfe von KI-Gesprächspartnern in den Erkenntnissen zurechtzufinden.
- Mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit: In Anerkennung der Vielfalt Israels werden einige Berichte nun auf Arabisch herausgegeben – insbesondere jene, die marginalisierte Gemeinschaften betreffen.
Selbst Kinder werden in dieser inklusiven Strategie berücksichtigt. Die ORKB Israel prüft derzeit die Möglichkeit kindgerechter Videos, insbesondere für Prüfungen in den Bereichen Bildung, Umwelt oder Online-Sicherheit. Denn Zugänglichkeit sollte nicht erst mit 18 Jahren beginnen.

Bewährte Verfahren für zugängliche Prüfungen der Rechnungsführung
Auf der Grundlage der in Israel gemachten Erfahrungen sowie aus aller Welt kommunizierten Praktiken finden Sie hier fünf bewährte Verfahren, um Prüfberichte zugänglicher zu gestalten:
- Vereinfachen Sie die Sprache: Vermeiden Sie Fachjargon. Verwenden Sie Alltagsvokabular. Konzentrieren Sie sich auf die Wirkung, nicht das Vorgehen.
- Visualisieren Sie Daten: Versetzen Sie Zahlen in Bewegung. Verwenden Sie Grafiken, Animationen und Infografiken.
- Erzählen Sie menschliche Geschichten: Beziehen Sie echte Stimmen ein. Verknüpfen Sie Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen.
- Nutzen Sie vielfältige Plattformen: Verlassen Sie sich nicht nur auf Websites. Veröffentlichen Sie dort, wo Ihre Zielgruppe ist – auf Mobiltelefonen, in sozialen Netzwerken, in Podcasts.
- Gestalten Sie Ihre Inhalte inklusiv: Berücksichtigen Sie sprachliche Minderheiten, Kinder und Menschen mit Behinderungen. Denken Sie an jede Zielgruppe.
Fazit: von Kontrolle zur Öffentlichkeitsarbeit
Die Zeiten, in denen sich Rechnungskontrollbehörden leisten können, nur mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Regierung zu kommunizieren, sind vorbei. Wenn Prüfungen der Gesellschaft dienen sollen, müssen sie zu Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit werden – nicht nur der Kontrolle.
Durch die Nutzung neuer Formate, die Verstärkung echter Stimmen und das Abholen von Menschen in ihren digitalen Räumen können Oberste Rechnungskontrollbehörden ihren Einfluss weit über die traditionelle Berichterstattung hinaus ausweiten. Sie können Veränderungen vorantreiben, Vertrauen wiederherstellen und die Öffentlichkeit daran erinnern, dass Rechenschaftspflicht nichts Abstraktes ist – sie ist etwas Persönliches.
Der Weg nach vorn ist klar: Verleihen Sie dem Bericht eine menschliche Komponente. Verleihen Sie ihm Sichtbarkeit und Relevanz.