Data Science zur Erfassung der Selbstbehalte von Frauen mit Brustkrebs

Quelle: Adobe Stock Images, madedee

von Appoline Chariot, Datenwissenschaftlerin an der ORKB Frankreich

Was zahlen Frauen mit Brustkrebs tatsächlich für ihre Behandlung? Eine solide auf den verfügbaren Daten beruhende Antwort zu geben stellt eine wesentliche methodische Herausforderung dar.

Eine Untersuchung der ORKB Frankreich (Cour des comptes) konzentrierte sich auf die Prävention und Behandlung von Brustkrebs mit dem Ziel, die finanziellen Auswirkungen der Krankheit auf Patientinnen besser zu verstehen.

Um diese Frage zu beantworten, wandte sich das Prüfteam an die Abteilung „Datenanalyse und -wissenschaft“ (vom Französischen kurz „DASD“) der ORKB, die auf Daten aus dem Nationalen Gesundheitsdatensystem (vom Französischen kurz „SNDS“) zurückgriff. Mit diesen Daten konnte eine Erfassungsmethode für die Selbstbehalte von Frauen mit Brustkrebs nach Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung entwickelt werden.

Erstellung eines messbaren Indikators anhand von medizinisch-administrativen Daten

Um die Selbstbehalte erfassen zu können, müssen wir diesen Begriff, für den es keine einheitliche Definition gibt und der in medizinisch-administrativen Datenbanken nicht direkt vorkommt, zunächst präzisieren.

Anhand der SNDS-Daten konnte die ORKB Frankreich feststellen, welche Leistungen für die jeweilige Patientin erbracht wurden und wie hoch die Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausfiel. Sie ermöglichen es jedoch nicht, die tatsächlichen von der Patientin getragenen Endkosten zu rekonstruieren, da Erstattungen durch Zusatzkrankenversicherungen und Ausgaben für nicht erstattungsfähige Leistungen nicht enthalten sind.

Die Analyse konzentrierte sich daher auf die Selbstbehalte nach Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung und vor möglichen Erstattungen durch Zusatzkrankenversicherungen, wobei die tatsächlichen Selbstkosten vom Umfang der Zusatzversicherungen abhängen.

Die Rolle einer Datenwissenschaftlerin beschränkt sich nicht auf die Anwendung quantitativer Methoden: Sie erfordert, in diesem Fall, ein eingehendes Verständnis des Gesundheitswesens sowie politischer Fragestellungen – eine wesentliche Voraussetzung für die Ermittlung relevanter Daten, die Interpretation ihrer Einschränkungen und die Erstellung robuster Indikatoren. Dank dieses Fachwissens kann die Datenwissenschaftlerin die Lücke zwischen Fragen hinsichtlich der Bewertung staatlicher Maßnahmen und deren analytischer Formalisierung schließen.

Rekonstruktion der Selbstbehalte aus Milliarden von Datenpunkten

Im Mittelpunkt der Analyse stand eine Kohorte von fast 29.000 Frauen, die im Jahr 2022 die Diagnose Brustkrebs erhalten hatten. Für jede von ihnen wurden sämtliche Ausgaben, die in den zwei Jahren nach der Diagnose verzeichnet wurden, unter die Lupe genommen: Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche, medizinische Eingriffe, Medikamente, Medizinprodukte und Krankentransporte.

Selbstbehalte nach der gesetzlichen Krankenversicherung umfassen eine Reihe unterschiedlicher Ausgaben. Die erste Komponente entspricht der Differenz zwischen dem Referenztarif und der von der gesetzlichen Krankenversicherung gewährten Erstattung. Eine zweite Komponente ergibt sich aus der freien Preisgestaltung bei bestimmten Gesundheitsleistungen, insbesondere in Form von Zusatzgebühren (über den Standardtarifen), die von medizinischen Fachkräften verrechnet werden.

Zur Schätzung der Selbstbehalte passte die DASD der ORKB Frankreich einen vom statistischen Dienst des Gesundheitsministeriums entwickelten Algorithmus an. Dies erforderte umfangreiches methodisches Arbeiten und eine spezifische Anpassung für Brustkrebs. Dieses Instrument ermöglicht die Schätzung der Gesamtkosten, der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung und der verbleibenden Selbstbehalte.

Objektive Beurteilung der Rolle von Zusatzgebühren, die von medizinischen Fachkräften verrechnet werden

Die Erkenntnisse lieferten objektive Daten zu Phänomenen, die zwar häufig diskutiert, aber selten quantifiziert werden: In den zwei Jahren nach ihrer Diagnose entstehen Frauen mit Brustkrebs bei Gesamtkosten von 37.280 € durchschnittlich Selbstbehalte – nach Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung und vor möglichen Erstattungen durch Zusatzkrankenversicherungen – in Höhe von 1.550 €.

Zusätzlich zu diesem Durchschnittsbetrag verdeutlichen die Ergebnisse, dass von medizinischen Fachkräften verrechnete Zusatzgebühren eine zentrale Rolle bei der Verursachung der Selbstbehalte spielen. Dieses Phänomen ist in bestimmten medizinischen Fachgebieten, zum Beispiel in der Radioonkologie, Gynäkologie und Chirurgie, sowie in bestimmten Regionen besonders ausgeprägt.

Die Analyse beleuchtete zudem spezifische Situationen: beispielsweise im privaten Sektor durchgeführte Brustrekonstruktionen, die zwar ein integraler Bestandteil der Brustkrebsbehandlung sind, jedoch aufgrund von Zusatzgebühren, die von medizinischen Fachkräften verrechnet werden, zu erheblichen Selbstbehalten führen können.

Es war wichtig, objektiv zu beurteilen, wie sich diese Zusatzgebühren auf die Selbstbehalte auswirken. Tatsächlich variiert deren Übernahme durch Zusatzkrankenversicherungen je nach Polizze stark, was die sozioökonomischen Ungleichheiten im Bereich der Gesundheitsausgaben wahrscheinlich noch verschärfen dürfte.

Eine Auszeichnung auf der EMOIS-Konferenz im Jahr 2026

Für die Ergebnisse dieser Analyse, die im Jahr 2026 auf der medizinischen Informationskonferenz EMOIS vorgestellt wurden, wurde die ORKB mit dem Preis für die beste Posterpräsentation ausgezeichnet. Das Poster trug den Titel „Selbstbehalte von Frauen mit Brustkrebs nach Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung“.

Diese Auszeichnung unterstreicht den wissenschaftlichen und praktischen Mehrwert der im Rahmen von Beurteilungen staatlicher Maßnahmen durchgeführten Tätigkeiten. Sie verdeutlicht zudem, wie wichtig die Abteilung „Datenanalyse und -wissenschaft“ der ORKB Frankreich ist: Sie überführt komplexe Daten in nützliche Informationen, um Erkenntnisse zu gewinnen, beobachtete Ungleichheiten objektiv zu beurteilen und die Relevanz sowie Wirkung von Bewertungen staatlicher Maßnahmen zu steigern.

Link zum Bericht und dem diesbezüglichen Methodendokument (auf Französisch)

Die Autorin: Appoline Chariot. Quelle: Appoline Chariot.
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